the fringe
proudly present
Sidney Grundy’s

The New Woman

(Andreas Romeike und Katharina Lopatin in den Hauptrollen)

Premiere am 17. März 2007
Um 19 Uhr, Einlass 18.30 Uhr
Weitere Aufführungstermine:
19. März, 21. März, 23. März, 29. März, und 30. März
jeweils im Theaterraum des Graf-Münster-Gymnasiums
Eintritt frei – Spenden erbeten
Gastspiel am Helene-Lange-Gymnasium Fürth 27. März 2007
Eintritt: € 4,-

Sidney Grundy ist ein zu Unrecht vergessener Autor, von dem es einem nicht einmal im Internet gelingt, ein Bild aufzutreiben. In dem Jahrzehnt vor und nach 1900 war er einer der erfolgreichsten englischen Bühnenautoren, der jedes Jahr einen Hit landete und im Gegensatz zur relativ kurzen Episode eines Oscar Wilde beim Publikum beliebt blieb. Dennoch muss man zugeben, dass die meisten seiner Stücke Gebrauchsstücke waren, die zeitgenössische Themen aufgriffen, persiflierten und karikierten, und die deshalb keinen dauerhaften Eindruck auf den Bühnen hinterlassen haben. Allein The New Woman ragt allein schon wegen seines Titels, der zum geflügelten Wort für die emanzipierte Frau um 1900 wurde, aus diesem vergessenen Werk heraus.

The New Woman ist mindestens 100 Jahre nicht gespielt worden, ja es galt als unspielbar, denn schließlich schrieb Grundy es als Pamphlet gegen die Emanzipation der Frauen, über die er sich damals erfolgreich lustig machte. Die new women in seinem Stück sind samt und sonders Karikaturen und Witzfiguren, die die Emanzipation ordentlich übertreiben. Alle Damen in dem Stück theoretisieren wild drauf los, wie Männer und Frauen sein sollten, was Liebe bedeutet, und welche Rechte Frauen erringen, bzw. welche Rechte den Männern aberkannt werden sollten, damit die Gleichberechtigung hergestellt werden kann. Sollten auch Frauen einen eigenen Haustürschlüssel bekommen? Damals war das eine große Frage. Sollten Frauen Nachts lange allein ausgehen dürfen? Darf eine Frau einen Mann allein in ihrer Wohnung empfangen? Dürfen auch Frauen rauchen? Und sogar: welche medizinischen Eingriffe wären nötig, damit auch Männer Kinder bekommen können? Manches davon erscheint heute überholt, aber wenn man an das aktuelle Buch von Eva Hermann denkt, dann treibt das Thema der Rollenverteilung doch wohl noch recht viele Leute um.

Wäre dies alles, was Sidney Grundy zu bieten hat, wäre er zu Recht vergessen und nicht gespielt. Betrachtet man sich aber die Männerrollen, die er als prächtige Machotypen seiner Zeit präsentiert, so wirken diese heute auf uns mindestens so lachhaft wie seine karikierten Emanzen. Damit ist die Gleichberechtigung zumindest auf dem Gebiet der Persiflage wieder hergestellt.

Und dies ist natürlich nicht alles. Der Kampf um die Gleichberechtigung der Geschlechter dient ihm lediglich als Hintergrund für eine zeitlose Romanze: Junge aus reichem Hause trifft einfaches Mädchen vom Lande und verliebt sich in sie – sehr zum Ärger seiner klassenbewussten Familie. Aber auch seine emanzipierten Freundinnen sind empört, weil das Mädchen eben nicht emanzipiert ist und auch nicht emanzipiert sein will. Und so kommt es zu vielen Schwierigkeiten, bis die beiden glücklich sein können, weil sie erkennen, dass wahre Liebe nicht nur die Rollenfrage obsolet macht, weil in einer glücklichen Beziehung beide Partner nur gleichberechtigt sein können, sondern auch, weil sie unabhängig von der Klassenzugehörigkeit ist. Dies ist eine zeitlose Botschaft.

The fringe plaziert diese Komödie im Londoner Theatre Museum von heute. Zwei emanzipierte Managerinnen dieses Museums werden über Nacht versehentlich eingeschlossen und begegnen im Traum Sidney Grundy. Sie versuchen, ihn von der Richtigkeit modener Emanzipation zu überzeugen und gehen mit ihm durch sein eigenes Stück, allerdings nähern sie sich in jedem Akt der eigenen Gegenwart immer mehr an, bis im letzten Akt sein Stück im Jahre 2007 angekommen ist. Andreas Romeike hat sich dafür ein aufwändiges Bühnenbild erdacht, das als Facharbeit im Fach Kunst erstellt wurde, und die Gruppe wird einen großen Aufwand an Kostümen treiben, um die Zeitreise durch die Jahre 1897, 1937, 1967 und 2007 zu verdeutlichen. Darüber hinaus wird es zur Unterstreichung des Revue-Charakters eine Gesangseinlage geben.

Die jüngsten Mitspieler von the fringe sind aus der 9. Klasse und beteuern, das Stück sei nicht schwer zu verstehen. Es kann also auf jeden Fall für Schülerinnen und Schüler ab der 10. Klasse empfohlen werden. Eine komplette Textfassung des Stückes zur detaillierten Vorbereitung kann unter der e-mail-Adresse scholz-bindlach@t-online.de kostenfrei angefordert werden. Rechtzeitig vor den Aufführungen verschicken wir Plakate und Programmheft in gewünschter Anzahl. Lassen Sie uns einfach wissen, was Sie brauchen. Eintrittskarten gibt es ab dem 01. März 2007.

Hans-Dieter Scholz, OStR ,Regisseur

Probenfotos

Gerald Cazenove (Andreas Zahn) erklärt Agnes Sylvester (Marlene Münzel), mit der zusammen er ein Buch über die Ethik der Ehe schreibt, dass er sich ernsthaft verliebt hat, und wie das so ist.

 

Seine Tante, Lady Wargrave (Julia Herz), findet das Treiben in seinem Haus höchst ungehörig. Es ist 1894 nicht akzeptabel, dass ein junger Mann alleine eine Dame zu Besuch hat. Außerdem vermutet sie nicht ganz zu Unrecht, dass Mrs Sylvester selbst ein Auge auf Gerald geworfen hat, und dass dieser mit seinem Schreiben über Ethik der Ehe und Emanzipation seine Zukunft in einer von Männern beherrschten Gesellschaft aufs Spiel setzt. Ihr Bruder, Colonel Cazenove (Anselm Dannecker) sieht die Dinge zugleich aufgebracht, da er ein Chauvinist von altem Schrot und Korn ist, und locker, da er eine der emanzipierten Damen höchst attraktiv findet.

 

Und dann schlägt es wie eine Granate ein: Der Gentleman Gerald hat sich in das Dienstmädchen seiner Tante, Margery (Romina Heinrich) verliebt und heiratet sie sogar. Für seine Tante ist das gesellschaftlich völlig inakzeptabel, Mrs Sylvester ist am Boden zerstört.

 

Kaum verheiratet, hat die junge Ehefrau Margery alle new women, alle emanzipierten Damen im Haus, so etwa Enid Bethune (Anne Eisenhuth, links) und Victoria Vivash (Laura Busert, rechts). Da wird darüber gestritten, ob Frauen einen eigenen Haustürschlüssel haben sollten, ob Männer überhaupt einen besitzen dürfen, und ob es sich für Frauen schickt, zu rauchen. Victoria verführt Margery zu ihrem ersten Rauch-Experiment: Ein skandalöses Verhalten damals!

 

Derweilen hat Enid Bethune ihre Chance erkannt: Man kann viel besser emanzipiert sein, wenn man finanziell abgesichert ist. Sie erkennt, dass der alternde Colonel Cazenove empfänglich für weibliche Reize ist und nützt das aus, damit er sie heiratet. Ihre Emanzipationsideale gibt sie deswegen natürlich nicht auf.

 

Auch wenn Gerald jetzt verheiratet ist, hat Agnes Sylvester ihren Kampf um seine sensible Seele noch nicht aufgegeben. Wie die Schlange im Paradis, redet sie ihm ein, dass seine Frau nicht zu ihm passt, dass sie taktlos und ungebildet ist, und dass sie ihn runterzieht. Wird er auf ihre Einflüsterungen hören?

Das Bühnenbild zu The New Woman wurde von Andreas Romeike als Facharbeit entworfen und entwickelt. Es basiert auf der Grundidee eines Buches. Am Anfang ist es geschlossen, aber dann wird für jeden Akt eine neue Seite aufgeschlagen, die in typischen Farben und Bildern den Geist der Zeit darstellt, in der jeder neue Akt spielt. Dabei blättern zwei moderne emanzipierte Damen, die im Londoner Theatre Museum eingeschlossen wurden und eingeschlafen sind, jeweils um.