Tschechisches Holocaust-Gedenken
Prager Wanderausstellung „Verschwundene Nachbarn“ wird am HLG
gezeigt
„Verschwundene Nachbarn“ ist der Titel einer Ausstellung im
Helene-Lange-Gymnasium (HLG), die sich mit der
Judenverfolgung in Tschechien während des Zweiten Weltkrieges auseinandersetzt.
FÜRTH (hjw) – „Das waren doch alles noch Kinder und sie standen am Anfang ihres
Lebens, das berührt einen schon sehr.“ Die Betroffenheit ist Tamara Prochnow
anzumerken. Sie ist eine von 24 Schülerinnen und Schülern, die sich freiwillig
gemeldet haben, andere Schulklassen durch die Wanderausstellung des jüdischen
Museums Prag zu führen. Auf zwanzig Tafeln dokumentiert die Schau, die im Neubau
des HLG aufgebaut ist, Einzelschicksale
jüdischer Kinder und ihrer Familien — zusammengetragen von tschechischen
Schülern und Studenten, die in ihren Heimatgemeinden nach Opfern des Holocausts
geforscht haben. Aus Prag ist eigens eine Kuratorin angereist, um den
Freiwilligen eine Einführung in die Ausstellung zu geben. In Budweis
beispielsweise überlebten von ursprünglich 1000 Juden nur 35 den tödlichen
Rassenwahn des Dritten Reichs. Auf alten Bildern sind lachende Kinder zu sehen.
Aufmerksame Zuhörer
Trotz strikten Versammlungsverbots hatte ein Landbesitzer ihnen erlaubt, sich
auf seinem Grundstück an der Moldau zu treffen und zu spielen. Sie brachten
sogar eine eigene Zeitung mit dem Titel „Klatsch“ heraus, in der sie sich mit
ihrer Situation beschäftigten.
„Es ist unfassbar, die Kinder wurden ermordet, und auf den Bildern sieht man sie
noch lachen“, meint Lena Schmailzl. Auch sie gehört zu dem Team, das durch die
Ausstellung führt. Wenn die Mitschüler ihr nach ihrem kurzen Vortrag Beifall
klatschen, winkt sie ab und findet das unpassend. „Die Menschen, über die hier
berichtet wird, sind es wert, sich ein paar Minuten mit ihnen und ihrem
Schicksal zu beschäftigen“, sagt sie.
Anstrengend sei es schon, an einem Vormittag mehrere Klassen durch die
Ausstellung zu begleiten, „aber die meisten reagieren sehr interessiert und
folgen unseren Ausführungen sehr aufmerksam“. Und, fügt sie hinzu, „es ist
unglaublich wichtig, nicht zu vergessen, was damals geschehen ist.“
Die Ausstellung ist noch bis zum 23. April im
HLG zu sehen. Anmeldungen im Sekretariat der
Schule, Telefon 9 74 21 81.

„Verschwundene Nachbarn“: HLG-Schüler Nils
Knodt erläutert einer neunten Klasse die Schautafeln der Wanderausstellung des
Jüdischen Museums Prag.
Foto: Hans-Joachim Winckler